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Fragen, die tschau.ch gestellt wurden

Titel (Pflichtfeld) Zeiteinteilung
Fragedatum 11. 06. 2017
Frage (Pflichtfeld)

Hallo, ich merke dass ich meine Zeit sehr schlecht einteile bzw. ich bin immer sehr im Stress. Ich bringe es einfach nicht hin, meine Zeit richtig ein zuteilen. Alle meine Freunde gehen am Wochenende raus feiern und ich bin entweder am lernen oder muss andere Sachen erledigen und habe immer ein mega Stress. Ich weiss nicht was ich falsch mache. Wissen Sie wie ich am besten meine Zeit einteilen kann ohne ins Stress zu kommen? LG Shirin
Antwort

Liebe shirin

Danke für deine Offenheit. Es ist toll und es ist klug, dass du Punkte erkennst, die dich stressen und wo du eine Lösung sucht, die zu mehr Wohlbefinden führt. Wie wir aus Erfahrung wissen, sind Stress und Zeitdruck ein Thema, das auch viele andere Leute kennen - und zwar selbst in ihrer Freizeit. Gut möglich, dass auch deine Freundinnen gelegentlich mit Stress zu kämpfen haben, auch wenn sie nicht davon erzählen. Und vielleicht legen sie ihre Prioritäten zudem anders.

Auf jeden Fall finden wir es gut, dass du gut zu dir schaust und versuchen willst, mehr Zufriedenheit und Ausgleich zu finden. Wast tun? Was sich in einem solchen Fall oft bewährt, sind Zeitpläne. Mehr Klarheit hilft oft, dass man sich bewusster entscheiden kann, bewusst gestaltet und sich eben nicht mehr so gehetzt fühlt. Das heisst, dass du für dich beispielsweise einen Wochenplan machst, wo du all deine Termine einschreibst und dann konkret überlegst, wann du lernen willst und wann du den anderen Verpflichtungen nachkommst. Oft ist es ja so, dass man viel vor sich herschiebt und dann irgendwann am Wochenende sehr viel erledigen muss, weil sich alles aufgetürmt hat. Ein guter Plan und sich zu überlegen, was wichtig ist, können daher helfen, den Überblick zu behalten, Wichtiges von eher Unwichtigen zu unterscheiden, sich nicht zu verzetteln und dann eben v.a. das zu tun, was erledigt sein muss. Wichtig bei einem solchen Plan sind gemäss unserer Erfahrung diese Punkte:

  • Mache einen realistischen Plan. Das heisst, einen Plan, der nicht zu dicht gefüllt ist und auch Spielraum für Unerwartetes lässt. So fällt es dir leichter, dich daran zu halten. Fürs Wohlbefinden ist gut, wenn du nicht jede freie Minute verplanst - denn man braucht zwischendurch ja auch einfach mal Zeit zum Nichtstun. Du wirst sehen: Solche Freiräume machen einen freien Kopf, weil du durchatmen kannst. Und oft kommen einem in diesen freien Minuten die besten Ideen, weil man eben nicht mehr in diesem Hamsterrad von Verpflichtungen rennt und loslässt. Sich einen realistischen Plan zu machen, ist deshalb so wichtig, weil es motivierend ist, wenn du durchhalten kannst und nicht schon bald wieder gestresst oder entmutigt aufgibst.
  • Schreibe in diesen Plan nicht bloss offizielle Verpflichtungen ein, sondern auch Dinge, die dir persönlich wichtig sind. Also dass du dann zum Beispiel eben einplanst, dass du am Samstag-Abend feiern gehst. Oder dass du dir auch was Gutes tust, indem du z.B. jetzt im Sommer schwimmen, ein Eis essen oder radeln gehst usw. Vergiss auch die Pausen nicht oder Zeiten, die du gerne mit deiner Familie, deinem Freund oder Freundinnen verbringen möchtest. Du siehst das nämlich schon richtig, dass zum Glück auch soziale Kontakte und "Dabeisein" gehören. Tipp: Hast du gesehen, dass es auch Zeitpläne gibt, die du auf dem Smartphone pflegen kannst? Ein solches System ist z.B. die Wunderlist, die du kostenlos downloaden und ausprobieren kannst.
  • Wenn du den Plan hast in einem ersten Entwurf, dann überlege dir, was wichtig ist und was weniger wichtig. D.h. du setzt Prioritäten. Eine wichtige Priorität wäre, wenn z.B. eine Prüfung ansteht, wo du genau weisst, dass du Lernzeit einplanen musst. Das sind eben Sachen, die du nicht verschieben kannst und wo du auch Ziele erreichen musst, um nicht Schwierigkeiten zu bekommen. Schau genau hin: Gibt es auch Sachen, die nicht ganz so wichtig sind und die warten können? Sowas könnte auch sein, dass man auch mal Fünf gerade sein lässt und nicht perfekt ist. Das kann dann heissen, dass man sein Zimmer z.B. erst eine Woche später aufräumt.

Wichtig scheinen uns beim Thema Stress/ Zeiteinteilung auch noch diese beiden Überlegungen:

  • Versuche, ganz ehrlich hinzuschauen, womit du viel Zeit verbringst. Oft ist es nämlich so, dass kleine "Zeitfresser" gibt, die man gar nicht so einfach erkennt. Das kann z.B. sein, dass man lange surft im Netz und richtig hängenbleibt und die Zeit vergisst. Nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, dass du etwas nicht mehr tun darfst. Es geht vielmehr darum, sich bewusst dafür zu entscheiden, etwas zu tun. Das könnte z.B. in Stresszeiten sein, dass du das Surfen zurückstellst und dich eben nicht ablenken lässt. 
  • Oft gibt es auch während des Alltages Zeiten, die man noch gezielter nutzen könnte. Man kann z.B. in der Tram auch lernen, indem man Schulstoff repetiert und im Gehirn verankert. Mit Lernkarten gelingt das in der Regel gut, da man sie überall hinnehmen kann und schon beim Schreiben der Karten viel lernt. Eine gute Anleitung, wie das geht, siehst du hier. Gut möglich, dass es dir mit der Veränderung der Lernmethode auch ganz allgemein gelingt, effektiver zu werden. Damit man weniger abgelenkt ist von den anderen Leuten, kann man zum Beispiel Musik hören oder sich gute Ohrenstöpsel kaufen. Dasselbe bezüglich der Zeitnutzung im Alltag gilt natürlich etwa auch für andere Gelegenheiten, etwa eine längere Pause, eine Zwischenstunde etc.

Wir haben jetzt viel über Strategien geschrieben. Aber vielleicht kommst du für dich jedoch zum Schluss, dass der Stress eigentlich gar nicht eine Frage der Zeiteinteilung ist, sondern dass du ganz einfach zu viel los hast, etwa du in vielen Vereinen usw. bist. Auch hier wäre es dann eben eine Frage der Prioritäten, wofür du dich bewusst entscheidest und dafür eben dann die Zeit hast, am Wochenende auch mal ohne schlechtes Gewissen deine Freunde zu sehen. Falls du erkennst, dass ein Zeitfresser ist, dass du immer für alles zuständig bist und du jemand bist, der überall hilft und schlecht Nein sagen kann und daher oft richtig überflutet wird von Aufgaben, dann wäre auch wichtig, dass du das thematisierst mit den Leuten, deren Aufgaben du übernimmst und wo du unterstützt. Helfen ist eine wunderbare Sache. Aber es ist wichtig, dass du nicht erdrückt wirst und es eine Balance gibt zwischen Geben und Nehmen, sodass du eben auch ganz persönliche Freiräume hast.

Nun wünschen wir dir alles Gute und gutes Gelingen. Wir hoffen, dass der eine oder andere Hinweis dabei war, der dich weiterbringt. Wenn du magst: Lass uns wissen, wie es mit dir weitergeht. Herzliche Grüsse, dein Tschau

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